Vertrauen aufbauen

Ein fester Tagesplan bringt Sicherheit und somit Vertrauen

Unsere Zwerge kennen ihren Tagesablauf ganz genau und beschweren sich deutlich, wenn dann vielleicht doch mal etwas nicht nach Plan läuft. Sie werden unruhig, aufgeregt und manchmal sogar etwas panisch. „Irgendetwas ist anders, was hat das zu bedeuten?!“, scheinen sie sich zu fragen.

Wenn ein neues Schwarmmitglied bei uns einzieht, dann ist vieles für ihn neu. Vielleicht hat er vorher nie einen Freund gehabt oder musste alte Freunde zurücklassen, er kennt keinen Freiflug oder nur sehr geringen, Futter und Wasser sind plötzlich ganz woanders platziert, es gibt andere Spiel- und Landeplätze und die Federlosen sind ihm natürlich auch nicht geheuer. Jede Bewegung, jedes Geräusch macht Angst.

Natürlich werden ihm seine neuen Freunde das Meiste zeigen und beibringen, trotzdem möchten wir ihm ja zeigen, dass er keine Angst haben brauch vor uns und vor dem, was wir im Vogelzimmer machen. Dazu gehören gewissermaßen Rituale, die den Tagesablauf gestalten.

Bei uns schaut das folgendermaßen aus und ich werde mal farblich abheben, was der Hintergedanke dazu ist:

Wenn wir Federlosen morgens aufstehen, wird nebenan im Vogelzimmer das Rollo hochgemacht und das Fenster zum Lüften geöffnet. Ich nehme die Futterschüsseln vom Käfig (wir füttern ausschließlich außerhalb des Käfigs) mit in die Küche. → Für die Zwerge ist das das Zeichen, dass der Tag nun startet. Nun dürfen sie gleich aus dem Käfig raus, fliegen, spielen, toben und es gibt Frühstück.

In der Küche bereite ich Gemüse, Kräuter und Co. fürs Frühstück vor und stelle die Schalen wieder auf den Käfig. Fenster zu, Gittertür zu und dann kommt der Vorhang zur Seite und die Käfigtüren gehen auf. → Für die Zwerge mitunter der schönste Moment, sie warten oft tippelnd vor den Türchen und können es kaum erwarten, endlich raus zu kommen.

Haben alle Zwerge den Käfig verlassen, kann ich das Wasser wechseln (Wir erinnern uns beim Thema Rückzugsort: Der Käfig ist tabu für uns Federlosen und wird nur „betreten“, wenn es unbedingt sein muss!). → Die Zwerge gewöhnen sich schnell daran, dass das Wasser nach dem Öffnen des Käfigs gewechselt wird und auch nur dafür in den Käfig gegriffen wird. Somit ist es nach kurzer Zeit auch kein Problem mehr, wenn doch jemand noch im Käfig sitzt. Sie will ja nur das Wasser wechseln, uns lässt sie in Ruhe.

Wir verlassen danach nicht nur das Vogelzimmer, sondern oft auch die Wohnung, wir müssen ja schließlich Arbeiten. Nach Feierabend geht der erste Gang ins Vogelzimmer: Alle Gesund und Munter? Irgendetwas runtergefallen? Ich nehme Wassernapf und Futterschalen mit in die Küche und komme mit dem Staubsauger zurück. Einmal „Staubsauger-Gassi-Gehen“ und grobe Verschmutzungen entfernen. Anschließend gibt es die zweite Runde Futter für die Zwerge. → Die Federlosen kommen nach Hause, machen bei uns sauber und dann gibt es endlich was zu futtern!

Oft verbringe ich dann noch Zeit im Vogelzimmer, ich mache ein paar Fotos oder es gibt mal ein Stück Hirse. Beim Fotos machen halte ich Abstand, man kann schließlich ranzoomen. Die Hirse halte ich oft einfach in Richtung Zwerge und warte ab, wie sie sich verhalten. Zeigt ein Zwerg Interesse, so komme ich näher, zeigt ein Zwerg angst, so nehme ich Abstand.

So circa 1 Stunde bevor wir Federlosen ins Bett wollen, schalte ich von der großen Deckenbeleuchtung auf eine kleine Stehlampe um. Im Sommer klappt das auch ohne Licht, da wird es draußen dann langsam dunkel. → Für die Zwerge ist das der Hinweis, dass es nun bald schlafen geht. Meistens krabbeln sie dann alle in den Käfig, suchen sich ihren Schlafplatz und wir brauchen nur noch die Türchen schließen und den Vorhang zuziehen. Gute Nacht!

Um noch einmal kurz zusammenzufassen:

Rituale bringen Sicherheit. Am Anfang denkt sich der Zwerg „Oh Gott! Sie fässt in den Käfig! Panik!!!“…nach gewisser Zeit ist es dann nur noch „Okay, sie fässt hier rein…wechselt das Wasser…puh sie ist mir nicht zu Nahe gekommen.“…und schlussendlich „Ach die schon wieder…die wechselt ja eh nur das Wasser.“ → Auch eine solch entspannte Haltung ist schon ein Zeichen von Vertrauen, denn sie haben verstanden, dass wir ihnen nichts tun. Egal ob wir Wasser oder Futter wechseln, mit dem Staubsauger eine Runde drehen oder oder oder.

Achtet auf Signale eurer Wellensittiche. Zeigt ein Wellensittich Interesse (zum Beispiel für das Stück Kolbenhirse), dann geht einen Schritt weiter. Macht sich der Wellensittich stattdessen dünn und macht Anzeichen zum Wegfliegen, entfernt euch von ihm. So zeigt ihr ihm, du brauchst keine Angst haben, ich respektiere dich.