Verhalten

Beobachtbare Bewegungsfolgen und deren Bedeutung

Kommunizieren wir Menschen untereinander, so konzentrieren wir uns nicht nur auf die Sprache, sondern beobachten gleichzeitig Bewegungen, Körperhaltung, Gesten, Mimik und auch die Stimmlage sowie die Lautstärke, die unser Gegenüber von sich gibt.
Situationsbedingt können wir so unterscheiden, ob jemand zum Beispiel fröhlich, sauer oder traurig ist und auch wir selbst agieren unterschiedlich je nach Stimmung. Zum einen unterstützen wir damit unsere Aussagen, zum anderen können unsere Mitmenschen einschätzen, ob sie Situation es gerade zu lässt, ein bestimmtes Thema anzusprechen oder ob wir Unterstützung benötigen.

Ebenso ist es bei unseren Wellensittichen, auch sie reagieren Situationsbedingt und können ihre Stimmlage dementsprechend anpassen. Manche Verhaltensmuster werden durch einen inneren, physiologischen Reiz ausgelöst (zum Beispiel das Hungergefühl), andere wiederum entstehen durch einen exogenen (äußeren) Reiz ausgelöst werden (zum Beispiel das Kältegefühl).
Wer seine Wellensittiche beobachtet, wird schnell lernen, was die jeweilige Körpersprache zu bedeuten hat.

Die Körpersprache verstehen lernen

Die Körpersprache unserer Wellensittiche zu verstehen mag im ersten Moment etwas fragwürdig erscheinen, doch es ist sowohl im Alltag als auch in speziellen Situationen sehr hilfreich oder gar Lebenswichtig.
Nimmt man sich ganz bewusst Zeit für seine Lieblinge und beobachtet sie in aller Ruhe, so werden einem ziemlich schnell ein paar Dinge auffallen. Das kann zum einen die völlig unterschiedlich klingenden Stimmlagen sein und natürlich auch die Körperhaltungen.

Oft gibt es Verhaltensweisen, die jedes Schwarmmitglied beherrscht und situationsbedingt zum Ausdruck bringt. Doch es gibt auch ganz typische Verhaltensweisen, die einen einzelnen Wellensittich hervorheben kann. 

Wellensittich – Mensch ⇔ Mensch – Wellensittich

Verhaltensweisen die mit einem „◊“ gekennzeichnet sind, könnten auf eine Erkrankung hinweisen.

Kratzen → Es juckt! Auch Wellensittiche lindern ihren Juckreiz durch kratzen.

Schnabel knirschen → Knirschen Wellensittiche mit dem Schnabel, so ist dies ein Ausdruck von völliger Entspanntheit und Zufriedenheit. Oft lässt sich dieses Verhalten vor dem Schlafen gehen beobachten.

Kopf reiben → Es juckt! Der ein oder andere Juckreiz kann nur durch reiben an einem Gegenstand gelindert werden, da das Füßchen oder der Schnabel an der Stelle nicht ankommen.

Zittern → Zittert ein Wellensittich mit den Flügeln oder gar am ganzen Körper, so ist er angespannt und aufgeregt.

Schütteln des Gefieders → Wellensittiche schütteln sich, um entweder Schmutzpartikel loszuwerden oder nach einem Bad das überschüssige Wasser.

Flügel abstellen → Wellensittiche können nicht schwitzen, so wie wir es über unsere Schweißdrüsen können. Sie stellen daher ihre Flügel ab und sorgen so für Kühlung. Alternativ ist man natürlich auch gegenüber Feinden oder einem Konkurrent im Schwarm wesentlich größer, wenn man die Flügel abstellt.

Gähnen → Auch Wellensittiche bringen ihre Müdigkeit mit Gähnen zum Ausdruck. Ist übrigens ebenso ansteckend wie beim Menschen 😉

Kopf zwischen die Flügel stecken → Wird das Köpfen im Nacken zwischen die Flügel gesteckt, so wird meist geschlafen.

Flügel strecken → Die Flügelmuskulatur wird gedehnt und ist einsatzbereit.

Gliedmaßen strecken → Wer kennt es nicht? Nach einer längere Ruhe- oder Schlafpause muss man sich mal ordentlich strecken.

◊Gefieder aufplustern → Zwischen dem aufgeplusterten Gefieder sammelt sich warme Luft und wärmt den Wellensittich. Oft sieht man dieses Verhalten, wenn die Wellensittiche Ruhen oder Schlafen. Ist ein Wellensittich dauerhaft aufgeplustert und in seiner Aktivität deutlich ruhiger, so sollte dringend ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden.

Kopf an der Schwanzoberseite reiben → Am oberen Schwanzanfang sitzt die Bürzeldrüse, welche ein Sekret absondert, dass unsere Wellensittiche für ihre Gefiederpflege benötigen.

◊Niesen → Durch Niesen werden kleine Schutzpartikel aus der Nase entfernt. Häuft sich das Niesen und das Gefieder im Gesicht macht einen feuchten Eindruck, so kann eine Erkrankung vorliegen, die von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden sollte.

Dünn machen → Bei Anspannung oder Angst machen sich Wellensittiche ganz dünn und lang, die Pupillen werden recht klein und der Wellensittich scheint stark konzentriert und aufmerksam.

Schnabel reiben → So wischen sich Wellensittiche den Schnabel ab und entfernen Speisereste.

Augen schließen → Auch Wellensittiche können dösen und schließen zur Entspannung ihre Augen. Auch beim Schlafen sind die Augen natürlich geschlossen.

Gegenseitiges füttern → Das Füttern eines Partnervogels ist wie eine kleine Liebeserklärung.

Nagetrieb → Der Nagetrieb ist angeboren und gerade bei Hennen sehr ausgeprägt. Er dient zur Bruthöhlenvergrößerung, aber auch zum Abnutzen des Schnabels sowie zur Beschäftigung.

Kreischen → Schrilles Kreischen warnt Schwarmmitglieder vor Gefahren. Oft ist zu beobachten, dass sich augenblicklich alle Mitglieder in Bewegung setzen.

◊Beinchen anziehen → Das Beinchen im Sitzen anzuziehen ist eine Entspannungshaltung für unsere Wellensittiche. Wird das Beinchen jedoch beim klettern und laufen nicht mehr belastet, so sollte ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden.

◊Hinlegen → Manch ein Wellensittich findet es einfach bequem, sich hinzulegen und schläft mitunter sogar so. Auch ältere Wellensittiche finden die Bauchlage oft bequemer. Sollte ein Wellensittich nur noch liegen und sich kaum bis gar nicht mehr richtig hinsetzen, so sollte ein vogelkundiger Tierarzt zu Rate gezogen werden.

◊Auf dem Boden sitzen → Auf dem Boden zu sitzen entspricht nicht der Natur unserer Wellensittiche, denn so wären sie angreifbar für Feinde. Bitte genau beobachten und gegebenenfalls einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen.

Hecheln → Über die Schnabelhöhle und das Hecheln können Wellensittiche ihre Körpertemperatur regulieren, da sie keine Schweißdrüsen besitzen und daher nicht schwitzen können.

◊Am Käfig hängen → Manch ein Wellensittich findet diese Position einfach bequem, wird aber der Schnabel „eingehängt“ und es ist eine vermehrte Atmung sichtbar, so liegt eine Atemwegserkrankug vor und sollte dringend von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden.

Schnabelklopfen → Vor allem Hähne zeigen dieses Verhalten, wenn sie balzen. Oft sind es Gegenstände, die der Hahn mit seinem Schnabel anklopft, es kann aber auch der Schnabel einer Henne sein.

◊Flügel hängen lassen → Ein hängender Flügel ist oft ein Zeichen für eine Verletzung, vor allem, wenn nur ein Flügel betroffen ist.

Schnabelhacken → Hacken ist ein normales Verhalten von Wellensittichen. So kann ein Konkurrent vertrieben werden oder sie machen deutlich, wenn ihnen etwas nicht passt.

◊Schwanzwippen  → Jeder Wellensittich wippt mit dem Schwanz, wenn er auf einer Schaukel sitzt. Doch ist das wippen deutlich sichtbar und der Rücken gekrümmt, braucht der Wellensittich schnellstmöglich medizinische Hilfe von einem vogelkundigen Tierarzt!