Sinnesorgane

Rezeptoren für die speziellen Reize

Als Sinnesorgan bezeichnen wir Körperstrukturen, die aus unserer Umwelt oder aus dem Körper mit Hilfe von speziellen Rezeptoren Reize aufnehmen und sie anschließend in elektrische Impulse umwandeln. So können die Reize von unserem Gehirn wahrgenommen werden.
Beim Mensch bezeichnet man als Sinnesorgan das Auge (Gesichtssinn), das Ohr (Hör- und Gleichgewichtssinn), Nase (Geruchssinn), Zunge (Geschmackssinn) und die Haut (Temperaturwahrnehmung, Vibrationsempfinden etc.).

Als reine Sinnesorgane kann man eigentlich nur das Auge und das Ohr klassifizieren, denn Nase oder auch Zunge haben noch andere Aufgaben beim Kauen, Sprechen oder Atmen und dienen nicht nur zur Reizaufnahme.

Der Wellensittich – ein Tetrachromat mit einer speziellen Farbwahrnehmung

Wellensittiche sind Tetrachromaten, das bedeutet, dass sie vier Arten von Farbrezeptoren zum Sehen benutzt. Anders als der Mensch, der rote, grüne und blaue Farbrezeptoren nutzen, kommt bei unseren Wellensittichen noch der gelb-ultraviolette Rezeptor hinzu.
An die Sehleistung eines Wellensittichs kommt der Mensch also niemals heran. Auch die Schärfe und das Auflösungsvermögen haben sich im Laufe der Zeit wesentlich weiter entwickelt, denn nur so ist das rechtzeitige Reagieren bei einem Angriff möglich.
Während wir unsere Augen bewegen, um unsere Umwelt wahrzunehmen, bewegen Wellensittiche meist der kompletten Kopf. So können sie Objekte wie Feinde oder Artgenossen viel schneller wahrnehmen.
Kommen wir noch einmal auf die Wahrnehmung von UV-Licht zurück. Es kann nur vermutet werden, wie Wellensittiche ihre Umwelt und auch ihre Artgenossen sehen. Klar ist jedoch, dass unsere Wellensittiche zum Beispiel am Kopf und an den Wangenflecken Federn besitzen, die fluoreszieren.
So kann ein Wellensittich zum Beispiel unterscheiden, ob es sich um ein Jungtier oder ein geschlechtsreifes Alttier handelt, denn solange die Jungtiere noch eine Wellenzeichnung bis zur Wachshaut besitzen, fluoresziert am Kopf nichts.
Auch im Zusammenhang der Nahrungsaufnahme spielt die Fluoreszens eine wichtige Rolle. Der Diplom Biologie Rainer Niemann vermutete, dass Wellensittiche ohne UV-Licht eventuell ihre Frischkost nicht eindeutig zuordnen können und daher nicht anrühren. Auch Anja Reichmann konnte in einem Gespräch davon berichten. In ihrer Außenvoliere wird das selbe Frischfutter viel besser wahrgenommen als im Schutzraum.
Grund hierfür könnte sein, dass viele reife Früchte oder auch Samen ultraviolettes Licht reflektieren. Fehlt dieses, können Wellensittiche nicht den Reifegrad feststellen und zögern gegebenenfalls.
Ein Grund mehr, dass wir in unserem Vogelzimmer großzügig UV-Lampen angebracht haben (zum Nachlesen bitte hier entlang).
Im übrigen kann ein Wellensittichauge rund 150 Bilder pro Sekunde verarbeiten – wir Menschen gerade mal 15! Deshalb sind normale Leuchtmittel ohne ein elektrisches Vorschaltgerät eine flackernde Qual fürs Wellensittichauge.

Die auditive Wahrnehmung

Das Repertoire an Rufen unserer Wellensittiche ist vielfältig und kann von sehr leise, bis schrill und laut gehen. Die Laute sind sehr variabel und können gewissermaßen auch erlernt werden. Mir fällt es immer auf, wenn wir eine Notfeder aufnehmen und ihre Rufe völlig anders sind, als die der Zwerge. Nach kurzer Zeit hört man den Neuankömmling nicht mehr, denn er hat die Laute vom Schwarm erlernt und verwendet sie.
Auch Jungvögel erlernen nicht nur die Rufe, sondern auch die Art des Rufes von ihren Eltern bzw. weiteren Schwarmmitgliedern. Dies gehört zu der so wichtigen Sozialisierung von Jungtieren.
Der Hörsinn ist sehr wichtig für unsere Wellensittiche, denn ein gutes Gehör ist wichtig, um die Rufe von Artgenossen wahrzunehmen und bei einem Warnruf möglichst schnell zu reagieren. Auch können Wellensittiche Laute von artfremden Vögeln erlernen und nutzen.
Man mag nun vielleicht rätseln, wo das Ohr eines Wellensittichs überhaupt liegt, denn so ist es nicht ersichtlich und liegt im Gefieder versteckt. Orientieren kann man sich am Auge, von dort auch geht man etwas schräg nach hinten bzw. unten.

Das Ohr nimmt nicht nur die Reize des Hörens wahr, sondern auch die des Gleichgewichtes. Der Gleichgewichtssinn befindet sich im Innenohr und ist sehr wichtig für unsere fliegenden Familienmitglieder. Schließlich müssen sie beim Fliegen nicht nur unglaublich schnell werden, sondern auch spontane Richtungswechsel an der Tagesordnung liegen.