Nährstoffe

Nährstoffe als Energielieferant

Nährstoffe bestehen aus verschiedenen organischen und anorganischen Stoffen, die wir brauchen um zu Leben. Sie werden über den Stoffwechsel aufgenommen und dahin transportiert, wo sie vom Körper gebraucht werden. 
Wir unterscheiden die Nährstoffe in 6 Untergruppen: Kohlenhydrate, Fette, Proteine, Mineralstoffe, Vitamine und Wasser.
Bei den Menschen und Tieren unterscheidet man zusätzlich noch zwischen den Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Fette, Proteine) sowie den Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe).

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate bestehen aus einer Kohlenstoffkette + Wasserstoff + Wasserstoff. Sie sind leicht verdaulich und dienen als schneller Energielieferant und auch zur Wärmegewinnung, doch nehmen wir zu viele Kohlenhydrate zu uns, als der Körper verbraucht, wandeln sich die Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und vom Körper gespeichert. Kohlenhydrate bestehen aus einfach Zucker oder Verbindungen von einfach Zuckern, unterteilt wird das Ganze in…

  • Monosaccharide (Einfachzucker) → zum Beispiel Glucose und Fructose (vorhanden in Früchten)
  • Disaccharide (Zweifachzucker) → zum Beispiel Rohzucker und Milchzucker
  • Polysaccharide (Mehrfachzucker) → Stärke (enthalten in Getreide)

Fette

Es gibt flüssige Fette (Öle) und feste Fette (zum Beispiel Butter) und liefern gut doppelt so viel Energie wie zum Beispiel Kohlenhydrate. Fett kann vom Körper gespeichert werden, beim Wellensittich ist dies zum größten Teil der Brustbereich. Deshalb kann man auch sehr gut überprüfen, ob ein Wellensittich Übergewichtig ist oder nicht, wenn man ihn in die Hand nimmt und vorsichtig über die Brustmuskulatur streicht (Mehr dazu im Kapitel Übergewicht). Um Energie aus dem Fett zu gewinnen, wir ein Fettmolekül in Glycerin und 3 Fettsäuren aufgespalten. Zweifach ungesättigte Fettsäuren können hingegen nicht vom Körper eigenständig hergestellt werden und müssen über die Nahrung aufgenommen werden, dazu gehören Omega-3 bzw. -6 Fettsäuren.

Proteine (Eiweiße)

Proteine? Eiweiße? Na was denn nun?! Es ist ganz einfach: Protein ist der wissenschaftliche Begriff für Eiweiße, es handelt sich also um ein und das selbe Produkt.
Proteine dienen als Baustoffe für Organe und Muskeln und sind damit besonders wichtig, denn ein Vogel besteht aus ca. 20% Proteinen (gemessen am Körpergewicht). Vor allem in der Wachstumsphase sind Proteine sehr wichtig, weshalb während der Brut vermehrt tierische Proteine (Gammarus, Mehlwürmer, Ei) verfüttert werden. Von ca. 20 verschiedenen Aminosäuren, aus denen Protein besteht, sind ca. 11 essentiell, also sie können vom Körper nicht hergestellt werden. Sie müssen über das Futter aufgenommen werden, dazu gehören: Arginin, Histidin, Isoleucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan und Valin.

Mineralstoffe

Bei den Mineralstoffen wird in Mengenelemente und Spurenelemente unterschieden.

Zu den Mengenelementen gehören:

  • Calcium → Wichtig für das Skelett, Blutgerinnung, Muskelkontraktion, Aktivierung von Enzymen
  • Kalium → Wichtig für die Blutdruckregulation, Eiweiß- und Glycogenbildung, Erhaltung des Membranpotenzials 
  • Natrium → Wichtig für die Aufnahme sowie des Transports von Nährstoffen, Wasserhaushalt, Nervenzellenkonzentrationsgefälle, Säure-Basengleichgewicht 
  • Magnesium → Bestandteil von Knochen, Zähnen, Enzymen und energievollen Phosphatverbindungen
  • Phosphor → als Phosphat unter anderem Bestandteil unserer Knochen
  • Chlor → Bestandteil der Magensalzsäure, Wasserhaushalt, Säure-Basenhaushalt
  • Schwefel → Wichtig für das Wachstum sowie der Mauser, für die Bildung des Schnabels und der Federn.

Zu den Spurenelementen gehören:

  • Cobalt → Bestandteil von Vitamin B12
  • Eisen → Bestandteil des Hämoglobins (Proteinkomplex in den roten Blutkörperchen), sowie anderer Enzyme 
  • Iod → Bestandteil der Schilddrüsenhormone
  • Kupfer → Beteiligt an der Produktion von Hämoglobin , fördert das Knochenwachstum sowie die Pigmentbildung
  • Mangan → Mitverantwortlich für das Knochenwachstum, den Aminosäurestoffwechsel, Muskelfunktionen und Fruchtbarkeit
  • Zink → Bildung von Skelett, Haut und Federn
  • (Flour → Zahnschmelzbildung)
  • Selen → Bestandteil von Selenoproteinen
  • Chrom → Wichtig für den Glucosestoffwechsel
  • Silicium → Essentieller Bestandteil von Epithelinen (Zellschicht) sowie Bindegewebe 
  • Zinn → ? Genauer Sinn wird noch erforscht
  • Vanadium → Stimulierung der Glykolyse, Hemmung der Glykoneogenese
  • Nickel → Bestandteil der Urease (Harnstoff)

Vitamine

Vitamine gehören zu den organischen Verbindungen, die der Körper nicht eigenständig herstellen kann, sondern über die Nahrung aufnehmen muss. Sie dienen für lebenswichtige Funktionen und nicht für die Energiegewinnung. Sie werden unterschieden in fett- und wasserlösliche Vitamine.

Zu den fettlöslichen Vitaminen gehören:

  • Vitamin A → Benötigt während des Wachstums, Haut und Schleimhäute, Sehvermögen
    ⇒ Enthalten ausschließlich in tierischen Produkten wie Eigelb oder Milch
  • Vitamin D → Reguliert den Kalzium- und Phosphorstoffwechsel im Blutplasma (Knochenbildung)
    ⇒ Enthalten in tierischen Produkten und mit Hilfe des Sonnenlichts (UV-Licht) in Vitamin D3 umgewandelt
  • Vitamin E → Wichtig für den Fettstoffwechsel
    ⇒ Enthalten in jungen, grünen Pflanzenteilen und Getreidekeimen.
  • Vitamin K →  Unentbehrlich für eine störungsfreie Blutgerinnung
    ⇒ Enthalten in Pflanzen und kann im Darm mittels Mikroorganismen gebildet werden.

Zu den wasserlöslichen Vitaminen gehören:

  • Vitamin B1 → Funktion des Nervensystems
    ⇒ Enthalten in den meisten pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln, vor allem in Hülsenfrüchten, Samenkeimen, Hefen und Nüssen.
  • Vitamin B2 → Bestandteil vieler Enzyme, hat Anteil am Stoffwechsel, ist ein Wachstumsfaktor und Teil des Aufbaus vom Hämoglobins
    ⇒ Enthalten in tierischen Produkten, grünen Pflanzenteilen, Getreidekeimen und Hefen.
  • Vitamin B6 → Regelt das Körpergewicht, Bildung von Hämoglobin, beteiligt am Eiweißstoffwechsel sowie des Energieumsatzes
    ⇒ Enthalten in grünen Pflanzenteilen, Getreidekeimen und Hefen.
  • Vitamin B12 → Wichtig für die Blutbildung sowie des Stoffwechsels, beteiligt am Zellsubstanzaufbaus (Wachstum), fördert die proteinarme Futterverwertung
    ⇒Enthalten ausschließlich in tierischen Produkten, kein Vorkommen in Pflanzen.
  • Biotin → Fördert den Stoffwechsel, besonders die Proteinsynthese und die Kohlenhydratstoffwechsel.
    ⇒ Enthalten in Getreiden und Hefen. Vögel können einen Teil durch entsprechende Darmbakterien eigenständig produzieren.
  • Folsäure → Spielt im Stoffwechsel eine große Rolle, desweiteren spielt sie bei der Blutbildung eine wichtige Rolle.
    ⇒ Enthalten in Sojabohnen, Weizenkeimen, grünem Gemüse und Bierhefen.
  • Nikotinsäure → Ab- und Aufbau von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen (Eiweiße), Bestandteil von Enzymen, Funktion des Nervensystems sowie der Haut
    ⇒ Enthalten in Getreide, Obst, Gemüse und Hefen.
  • Pantothensäure → Bestandteil des Koenzyms A  und damit von Bedeutung für den Stoffwechsel der Kohlenhydrate und Fetten. Auch wichtig für Haut und Schleimhäute.
  • Cholin → An vielen Stoffwechselfunktionen beteiligt, zum Beispiel dem Fettstoffwechsel.
    ⇒ Enthalten in vor allem tierischem Eiweiß sowie Hefen.
  • Meso-Inosit → Beim Wachstum von Bedeutung und wichtig für den Transport von Fettsäuren.
    ⇒ Enthalten in Getreide.
  • Vitamin C → Fördert Blut-, Knochen- und Bindegewebsbildung, beeinflusst die Zellatmung und die Hormonbildung, stärkt das Immunsystem.
    ⇒ Enthalten in allen Obst- und Gemüsesorten, vor allem in Zitrusfrüchten, schwarze Johannisbeeren, Hagebutten, Paprika und Kartoffeln.

Wasser

Wasser gehört zwar nicht zu den Nährstoffen, ist aber lebensnotwendig und kann schon bei kurzzeitigem Wasserentzug innerhalb weniger Tage zum Tode führen. Ein Vogel besteht zu ca. 80% aus Wasser und wenn dieser Gehalt nicht mehr ausreichend gedeckt ist, können die Körperzellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Wasser ist das Lösungs- und Transportmittel für alle Stoffwechselvorgänge.


Buchtipp!

Wer weitere sowie weitaus ausführlichere Informationen zu den Nährstoffen sowie der Ernährung von Papageien und Sittichen haben möchte, dem empfehle ich folgendes Buch:
Die Ernährung der Papageien und Sittiche“ von Hans-Jürgen Künne, erhältlich im Arndt-Verlag