Mangel und Überfluss

Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig

Rund 2,38 Millionen Vögel sind in deutschen Haushalten vorzufinden. Während die einen überernährt werden, leidet ein großer Teil an Mängeln. Oft sind beide Schicksale miteinander verknüpft, denn der eine Teil ist übermäßig im Körper vorhanden, während andere Stoffe kaum oder gar nicht existieren.

Drogeriefutter bedeutet Mangel im Überfluss

Das im Handel erhältliche Futter für Wellensittiche verspricht laut Hersteller oft eine gesunde und ausreichend versorgende Fütterung. Während viele wichtige Stoffe fehlen, sind wiederum andere vorhanden die nicht nötig sind – oder nötige sind völlig überdosiert und deswegen schon wieder schädlich.

„Kein Industriefutter ist so optimal, dass es nicht doch auf Dauer durch Einseitigkeit, Erkrankungen auslösen kann […] Industriefutter macht auf Dauer krank.“ – Dr. med. vet. Vera Biber

 

Unnatürliche Zusätze

Dem weitaus größtem Teil an industriell hergestellten Futter werden jede Menge unnatürliche Zusätze hinzugefügt.
Hier mal eine Zusammensetzung eine Sittichfutters, welches vermutlich häufig verfüttert wird/wurde und in eigentlich jeder Drogerie bzw. Zooabteilung zu finden ist:

Getreide 93% ⇒ Zum Beispiel Hirse (93% Anteil sind zu viel!)
Saaten 3,5% ⇒ Ölhaltige Saaten wie zum Beispiel Negersaat (machen auf Dauer dick)
Mineralstoffe ⇒ keine Definition oder gar genaue Mengenangabe (Mangel? Überfluss?)
Gemüse (Karotten, getrocknet 1%)1% Karotte ≅ 5 Gramm auf die ganze Packung
Eukalyptusblätter geschnitten 0,2% ⇒ Ölhaltig, wenn auch positive Auswirkungen auf Krankheiten
Öle und Fette (Lebertran 0,05%) ⇒ Wofür benötigt ein Wellensittich Lebertran?! (kein Nutzen)
Pflanzliche Nebenerzeugnisse ⇒Brotkrümel, Magermilchpulver etc. (völlig ungeeignet!)
Honig 0,02% ⇒ Zucker pur! Für manch erkrankten Wellensittich tabu!

Zum Vergleich noch mal eine gesunde Mischung, ebenfalls mit Eukalyptus:

300g Spitzsaat/ 100g Silberhirs/ 100g Senegalhirse/ 100g Wiesengräser Premium/ 100g Bluthirs/ 100g Grüne Hirse/ 50g Pagima Green/ 50g Japanhirse/ 50g Plata hirse/ 20g Feldsalatsamen/ 10g Basilikumsamen/ 10g Petersiliensamen/ 5g Fenchel/ 5g Eukalyptus/ Vogelmiere

⇒ Eine gesunde und vor allem natürliche Mischung ohne Lebensmittelreste und Zucker.

 

Warum ist es so schwierig ein Futter herzustellen, welches der natürlichen Ernährung gleicht?

Es wird geraten, dass man nur Futter verfüttern sollte, was den Ansprüchen des gehaltenen Tieres entspricht und es ausreichend versorgt. Wenn ich allerdings auf meine Futtermittel schaue – und ich habe einige in der Futterschublade – so sind sie alle anders Zusammengesetzt. Mal mehr, mal weniger Hirse. Mal mehr, mal weniger ölhaltige Saaten. Mal mehr, mal weniger Zusätze wie getrocknete Kräuter oder Blüten. Somit auch immer verschiedene Werte als Inhaltsstoffen. Keines dieser Futter wird optimal alles abdecken, was ein Wellensittich braucht. Doch ich als verantwortungsvoller Halter füttere niemals nur Körner und Saaten, sondern ergänze den Speiseplan durch Obst, Gemüse, frische Gräser und Kräuter. Je nach Zufütterung verändern sich natürlich auch die Werte meines „Trockenfutters“.

Die traurige Wahrheit

Schaut man sich in Drogerien oder dem Zoofachhandel mal um, so wird einem vermutlich erschreckend leicht bewusst, das viele der angebotenen Futtermitteln nicht einmal das erfüllen, was wissenschaftlich schon belegt wurde. Und wenn man bedenkt, dass man vieles überhaupt noch nicht weiß, dann ist das um so trauriger.

Viele Zusatzstoffe sind derart überdosiert, dass es zu ernsthaften Schädigungen kommen kann. Der Energiegehalt ist viel zu hoch (93% Hirse, siehe oben), Vitamine fehlen (5g Karotte auf 500g Futter, dazu getrocknet, die Vitamine im Herstellungsprozess zerstört), Zucker wird hinzugesetzt, obwohl es überhaupt nicht Not tut, gar schädlich ist (Übergewicht ist nur eine Folge, für Wellensittiche mit einer Mega-Bakterieninfektion kann Zucker tödlich sein!)

Auch Trinken ist wichtig!

Auch der Wellensittichkörper besteht zu einem Großteil aus Wasser, das sich in und um die Körperzellen, im Blut und anderen Körperflüssigkeiten findet. Wellensittiche haben einen schnellen Stoffwechsel, daher benötigen sie immer Zugang zu frischem, sauberem Trinkwasser. Schon ein Tag ohne kann zum Tod führen.
Zudem wird oftmals weniger Wasser aus dem Napf getrunken, als über die Nahrung aufgenommen wird. Ein weiterer Punkt, eine Alleinfütterung von Körnern und Saaten auszuschließen.