Grundlagen

Verdauung

Um zu verstehen, warum Wellensittiche eine spezielle Ernährung benötigen und wie sich Fehler auswirken, ist es hilfreich, sich mich der Verdauung vertraut zu machen.

Aufgabe der Verdauung

Jedes Futtermittel ist im ersten Moment ein Fremdkörper und muss erst in seine kleinen Bestandteile aufgespalten werden, um nützlich für den Körper zu sein. Anders kann der Körper die Futtermittel nicht aufgenommen und verwertet werden.

Die Hauptaufgabe der Verdauung ist es also, die Futterbestandteile in ihre Bausteine zu zerlegen, damit sie im Darm aufgenommen werden können. Anschließend übernimmt der Stoffwechsel die Arbeit und die Bausteine werden mit Hilfe des Blutes in die entsprechenden Organe weitergeleitet.

Es gibt ein paar Ausnahmen, die die eigentliche Verdauung umgehen können, weil sie direkt von der Darmwand aufgenommen und weitergeleitet werden. Dazu gehören Wasser, einige Vitamine, Mineralstoffe und auch Hormone.

Von einer Station zur nächsten Station

Vom Schnabel…

Wellensittiche nehmen ihre Nahrung mit Hilfe des Schnabels auf und entspelzen geschickt mit kleiner Unterstützung die Körner und Saaten. Da Wellensittiche keine Zähne besitzen, wird die Nahrung, zum Beispiel Gemüse, bereits so aufgenommen, dass sie direkt geschluckt werden kann, also in vielen kleinen Teilen.

…in den Kropf.

Wird die Nahrung heruntergeschluckt, so gelangt sie über die Speiseröhre in den Kropf. Der Kropf ist eine sackartige Erweiterung im unteren Bereich der Speiseröhre.
Zu den Hauptaufgaben des Kropfes gehört die Speicherung von Futter und eventuell auch von Wasser. Die Nahrung wird im Kropf eingeweicht und so zur weiteren Verdauung vorbereitet. Wir Menschen vermischen beim Kauen unsere Nahrung mit Speichel, welcher Enzyme enthält und bereiten auf dem Weg schon unsere Nahrung zur Verdauung vor. Mit Hilfe eines Muskels, welcher durch den 10. Hirnnerv (Nervus vagus) gesteuert wird, können Wellensittiche den Inhalt ihres Kropfes bei Bedarf wieder in die Speiseröhre drücken, von wo er dann in den Magen gelangt (oder auch in Richtung Schnabel zurück, um den Partner oder Jungtiere zu füttern.)

Weiter geht es im Magen.

Wie die meisten Vögel haben auch Wellensittiche 2 Mägen:

  • Den Drüsenmagen; hier werden die notwendigen Verdauungssekrete für die Proteinspaltung produziert.
  • Den Muskelmagen; hier wird die Nahrung zerkleinert.

Das Vögel mit ausreichend Grit versorgt werden sollten, hängt mit dem Muskelmagen zusammen. Dieser besteht aus mehreren Lagen glatter Muskulatur und ist mit einer harten Keratinoidschicht ausgekleidet (aus Keratin bestehen auch unsere Haare, Fingernägel etc.), die zusammen mit dem von den Vögeln aufgenommenem Grit eine Reibfläche bildet. Somit übernimmt der Muskelmagen die Arbeit der Zähne und zerkleinert die Nahrung.

Wir erreichen den Dünndarm…

Im Dünndarm werden die Nährstoffe mit Hilfe von speziellen Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse und Gallensaft aus der Leber in ihre einzelnen Bausteine zerlegt. Fette in Glycerin und Fettsäuren, Proteine in die einzelnen Aminosäuren, und Kohlenhydrate in Einfachzucker. Dadurch ist es möglich, dass diese Stoffe durch die Darmwand aufgenommen werden, nur die einzelnen Kleinst-Teile haben diese Möglichkeit.

…und anschließend den Dickdarm.

Der Dickdarm nimmt den Speisebrei aus dem Dünndarm auf, transportiert ihn weiter und entzieht er ihm währenddessen weiteres Wasser. Im Dickdarm werden übrigens keine Nährstoffe mehr aufgenommen.

Endstation Kloake

Anders als bei Säugetieren haben Vögel nur ein gemeinsamen Körperausgang für Urin, Kot, Spermien bzw. Eier: die Kloake. Neben dem Enddarm münden hier übrigens auch der Eileiter der Henne bzw. die Samenleiter des Hahns. Alles was der Körper nicht verwerten kann verbindet sich zu einer gleichmäßigen Masse, den Kot und verbindet sich mit dem hellen, weißen Urin aus den Nieren zu einem zweifarbigen Kotbällchen. Urin wird also im Gegensatz zu Säugetieren bei Vögel fest und nicht flüssig ausgeschieden.
Gesunde Wellensittiche haben einen festen Kot. Dünnflüssiger oder gefärbter Kot kann bei einer großen Aufnahme von Wasser oder Obst entstehen oder auf eine Krankheit hinweisen und sollte daher regelmäßig begutachtet werden.