Der Wellensittich

Allgemeine Informationen

George Shaw war ein englischer Naturforscher, der sich als Erster mit der Tierwelt Australiens beschäftige und den Wellensittich untersuchte. Er gab der Art den wissenschaftlichen Namen Melopsittacus undulatus. Dies setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: vom Griechischen mélos =Gesang, Klagelied sowie den lateinischen Wörtern psittacus = Papagei oder Sittich und undulatus = gewellt.
Der Wellensittich gehört zur Familie der „Eigentlichen Papageien“ (psittacidea) und gehören zu den am Meisten im Freiland vorkommenden Tieren in Australien.
Wellensittiche ziehen als Nomaden quer durchs Land auf der Suche nach Wasser sowie Futter. Seit circa 1840 werden Wellensittiche als Ziervögel gehalten und sind vermutlich die am häufigsten gehaltene Papageienart weltweit.

Merkmale

Mit circa 18 Zentimeter Körpergröße gehören Wellensittich zu den kleineren Papageienarten und mit ihrem Gewicht von etwa 25 bis 50 Gramm zu den Leichtgewichten. Wellensittiche haben als Jungtiere kein deutliches Geschlechtsmerkmal, erst mit der Umfärbung der Wachshaut lässt sich beim Hahn eine blaue, bei einer Henne eine braune Wachshaut sehen und so das Geschlecht bestimmen.
Wilde Wellensittiche sind in der Grundfarbe grün, ihre Maske (das Gesicht) ist gelb und vom Kopf bis in den Nacken über die Flügel ist ein schwarzes Wellenmuster vorzufinden. Die Wangenflecken sind blau und die Kehltupfen, welche in der Anzahl variieren können, sind schwarz.
Wellensittiche nutzen 4 Arten von Farbrezeptoren (zum Vergleich: der Mensch nutzt nur 3) und sind UV-sichtig. Mit Hilfe von ultraviolettem Licht können am Kopf fluoreszierende Federn ausgemacht werden. 

Jungvögel unterscheiden sind im wesentlichen durch eine Wellenzeichnung, die bis zur Wachshaut reicht, schwarzen Augen ohne Irisringe und einer rosa bis hellblauen Wachshaut, deren sich noch kein eindeutiges Geschlecht zuweisen lässt. Diese Merkmale verändern sich im Laufe der ersten Lebensmonate.

Die Heimat der wilden Wellensittiche – Australien

Die Heimat der Wellensittiche liegt in der Fauna Australiens, nur hier sind natürliche Vorkommen von Wellensittichen vorzufinden. Dort leben sie als Nomaden, das heißt, sie ziehen im ganzen Land umher, um Wasser, Futter und geeignete Brutplätze zu finden. Da sie in der freien Natur kaum Fett anlagern können, können sie sich „nur“ circa 3 Stunden in der Luft halten und dabei ungefähr 100 Kilometer zurücklegen. Das finde ich übrigens sehr beeindruckend und verdeutlicht noch einmal, warum der tägliche Freiflug so wichtig ist!

Nahrung

In ihrer Heimat ernähren sie sich von halbreifen und reifen Grassamen sowie Samen von Bodendeckern.

Vermehrung

Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Nahrungsangebot und dem Bruterfolg. Nur wenn ausreichend Nahrung vorhanden ist, können die Jungen erfolgreich ausgezogen werden. In der wilden Steppe Australiens ist das manchmal schwierig, denn oft ist nur in sehr kurzen Perioden ausreichend Nahrung vorhanden. Der Wellensittich ist daran aber sehr gut angepasst, sobald die Bedingungen günstig sind, wird gebrütet – völlig unabhängig von der Jahreszeit. Bereits mit 3,5 bis 4 Monaten sind männliche Wellensittiche geschlechtsreif, was ebenfalls eine Anpassung an die flexiblen Brutbedingungen ist.
Ob Wellensittiche monogam leben, also ein Leben lang den selben Partner haben ist umstritten, jedoch lässt sich oft in größeren Schwärmen beobachteten, dass Hähne den Kontakt zu vielen Hennen suchen. Dies könnte ebenfalls auf eine Anpassung zurückzuführen sein, denn nur wer in der Partnerwahl flexibel ist, kann sich schnellstmöglich vermehren.

Wellensittiche sind Höhenbrüter, die Hennen benötigen die Stimulation der Dunkelheit zur Produktion von für die Brut wichtigen Hormone.
Vier bis sechs, in Ausnahmefällen auch mehr Eier legt eine Henne im Abstand von circa 2 Tagen, welche nach 21 Tagen schlüpfen und dann mit einem aus dem Kropf stammendem Nahrungsbrei versorgt werden. Nach ungefähr 30 bis 35 Tagen fliegen die Jungen aus und sind selbstständig.

Lebenserwartungen

In freier Wildbahn ist es schwer zu sagen, wie alt die dort lebenden Wellensittiche werden. Sie gehören zu den Beutetieren von einigen Greifvögeln.
In Gefangenschaft gibt es sowohl Literatur als auch „lebende Beweise“, dass Wellensittiche über 15 Jahre oder gar älter werden können. Leider ist dies eine seltene Ausnahme, denn durch Überzüchtung, Krankheiten und nicht artgerechte Haltungsbedingungen minimieren sich die Lebenserwartungen von Wellensittichen drastisch.

Haltung in Privathaushalten

1840 wurden vermutlich durch John Gould die ersten lebenden Wellensittiche nach England gebracht, 1864 gelang in Frankreich die erste erfolgreiche Nachzucht, 1850 im Zoo von Antwerpen und 1855 das erste Mal in Privathaltung. Kurz darauf begann der Import vieler Wildfänge nach Europa, welche Australien durch das noch immer geltende Ausfuhrverbot australischer Vögel 1894 beendete. Durch die entstehenden Massenvermehrungen tauchten immer mehr Farbschläge sowie Mutationsformen auf, 1878 die ersten himmelblauen Sittiche, dunkelgrün folgte unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, daraus wiederum entstanden olivgrüne Wellensittiche. Nahezu gleich alt sind auch kobaltblaue, mauve und weißblaue Zuchtformen. Die ersten grauflügelblauen Sittiche wurden 1927/28 gezüchtet. 1886 kamen die gelben Wellensittiche, die uns heute als Lutinos bekannt sind..