Der vogelkundige Tierarzt

Fachrichtungen in der Tiermedizin

Mit Zahnschmerzen zum Orthopäden? Mit Sehproblemen zum Zahnarzt? Mit Gelenkschmerzen zum Zahnarzt? Vermutlich kann man hier nur den Kopf schütteln. Nie würden wir die oben aufgeführten Ärzte bei den Problemen aufsuchen. Wir würden ziel gesteuert den richtigen Facharzt aufsuchen. Mit Zahnschmerzen also zum Zahnarzt, mit Sehproblemen zum Augenarzt und mit den Gelenkschmerzen zum Orthopäden.

Genau so ist es auch in der Tiermedizin, es haben sich auch hier im Laufe der Zeit verschiedene Fachrichtungen entwickelt. So gibt es Tierärzte für Haustiere wie Hunde, Katzen und Nager, Spezialisten für Pferde, Landtierärzte für Kühe, Schweine und Co., aber ebenso auch Reptilien- oder Exotentierärzte und halt die, die wir mit unseren gefiederten Freunden aufsuchen sollten: vogelkundige Tierärzte.

Vögel sind doch auch Haustiere!

Ja, das stimmt. Wir halten Vögel als Haustiere, doch trotzdem ist ein „normaler“ Tierarzt nicht für unsere Vögel geeignet. Während ihres Studiums haben sie oft nur einen minimalen Einblick in die Vogelmedizin, welche nur durch eine Zusatzausbildung vollständig erlernt werden kann. Zudem haben sich Diagnostik- sowie Untersuchungsmethoden im Bereich der Vogelmedizin in den letzten Jahren weiterentwickelt. Ein wichtiger Fortschritt für unsere Vögel! Daraus resultieren bessere Behandlungen mit größeren Chancen auf Heilung. Doch dazu braucht es Spezialwissen.

Vogelkundige Tierärzte sind selten

Erkranken Wellensittichen, Nymphensittich oder Ara, so ist es am allerwichtigsten, dass wir mit ihnen zu einem vogelkundigen Tierarzt gehen. Nur so können wir ihm die optimale Behandlung geben, die er braucht. Deshalb sollte man sich am Besten schon vor der Anschaffung darüber informieren, wo der nächste vogelkundige Tierarzt zu finden ist, nicht selten müssen Vogelhalter über 100 Kilometer weit fahren. Eine Liste mit den mir bekannten vogelkundigen Tierärzten könnt ihr hier finden: Liste vogelkundiger Tierärzte.


Ablauf eines Besuches beim vogelkundigen Tierarztes

Zuallererst sollte ein vogelkundiger Tierarzt den Vogel im Allgemeinen betrachten, dass heißt…

  • Wie ist die Körperhaltung zu beurteilen?
  • Verhält sich der Vogel auffällig?
  • Sind die Augen klar oder verklebt?
  • Ist der Kot normal, flüssig, verfärbt oder vielleicht gar nicht vorhanden?
  • Atmet der Vogel normal oder sind Pfeifgeräusche zu hören?
  • Gibt es äußerliche Auffälligkeiten wie einen hängenden Flügel oder ein angezogenes Bein?

All dies kann schon gescheckt werden, werden der Vogel noch in seinem Transportkäfig sitzt. 

Anschließend muss der Vogel in die Hand genommen werden, damit noch mehr Fakten gesammelt werden können…

  • Durch das Abtasten des Brustbeins kann man auf den Ernährungsstand des Vogels schließen.
  • Ist das Federkleid vollständig? Gibt es Anzeichen auf Milben?
  • Ist die Bürzeldrüse in Ordnung?
  • Sind Augen, Ohren, Nase frei und sauber?
  • Ist der Schnabel bzw. das Schnabelhorn okay oder vielleicht zu lang und muss gekürzt werden?
  • Ist der Kropf gut gefüllt oder liegt eine Entzündung vor?
  • Äußere Auffälligkeiten wie ein hängender Flügel können durch abtasten spezifiziert werden.

Je nachdem wie der Befund des vogelkundigen Tierarztes ausfällt, kann es dann noch weitere, spezielle Untersuchungen geben:

Röntgenaufnahmen mit oder ohne Kontrastaufnahmen

Röntenaufnahmen stellen eine wichtige Diagnosemöglichkeit da, da man sowohl das Skelett, als auch die Inneren Organe des Vogels beurteilen kann. Zusätzlich ist es möglich, dem Vogel ein Kontrastmittel zu geben, dieses verbessert Strukturen sowie Funktionen im Körper eines Vogels wie zum Beispiel den Verdauungsapperat. So können bei einer Röntgenuntersuchung wichtige Zusatzinformationen gesammelt werden.

Ultraschall

Ja, auch bei Vögeln ist es möglich einen Ultraschall durchzuführen. Jedoch ist dies noch sehr neu und wird nur  von sehr wenigen vogelkundigen Tierärzten durchgeführt.

Endoskopie

Ein Endoskop besitzt eine kleine Kamera und eine Lichtquelle, was dem vogelkundigen Tierarzt ermöglicht Körperhöhlen sowie Hohlorgane zu untersuchen. Manchmal ist dafür ein kleiner, minimaler Schnitt in der Haut nötig, es geht aber auch ohne. So können auch kleine Gewebeproben ohne großen Aufwand entnommen und ins Labor geschickt werden.

Labordiagnostische  Untersuchungen

Blutbild

Eine Blutabnahme kann auch bei Vögeln durchgeführt werden, minimalste Mengen reichen schon aus, um Aussagen über Leukozyten (weiße Blutzellen), Erythrozyten (rote Blutzellen) oder  Hämatokrit (zelluläre Bestandteile des Blutes) zu treffen.

Klinische Chemie

So können Enzyme und weitere Körpereigene Stoffe untersucht werden. Je nach Vorhandensein oder auch Anzahl können Rückschlüsse auf Erkrankungen getroffen werden.

PCR

Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion lassen sich auf Grund der hohen Spezifität schon Kleinstmengen von Erreger-DNA nachgewiesen werden. Hierzu reicht eine winzige Menge Blut, aus der die DNA gewonnen wird. Diese wird mit Puffern, Primern, Taqpolymerase und weiteren Bestandteilen gemischt und mit Hilfe eine speziellen Gerätes kann jetzt die DNA vervielfältigt werden, bis man eine ausreichende Nachweismenge vorliegen hat.

Bakteriologische und mykologische Untersuchungen

Zu den häufigsten Erregern bei Vögeln gehören Bakterien und Pilze. Diese lassen sich mit Hilfe eines Abstriches auf einem Nährmedium nachweisen. Der Abstrich wird auf einem Nährmedium ausgestrichen und dann in einen Brutschrank gestellt. Dieser bietet die optimalen Verhältnisse (Luftfeuchtigkeit, Temperatur), um Bakterien- oder Pilzkolonien wachsen zu lassen. Je nach Größe der Kolonien nach zum Beispiel 24 Stunden, lassen sich Rückschlüsse auf den Erkrankungszustand ziehen. Auch können mit Hilfe von Nährmedien Resistenztests durchgeführt werden, hier kann die richtige Medikation festgestellt werden, um den Erreger zu bekämpfen ohne dem Vogel diverse Medikamente einzuflößen.

Parasitologische Untersuchungen

Parasiten, Milben, Federlinge, wer kennt sie nicht, die kleinen unliebsamen Krabbeltierchen. Oft reicht eine frische Kotprobe oder auch eine Federprobe, um unter dem Mikroskop einen Nachweis zu finden.

Histopathologische Untersuchungen

Gewebeproben, die zum Beispiel bei einer Endoskopie entnommen wurden, können mit Hilfe einer Histo untersucht werden. Im Labor wird das Gewebe fixiert, geschnitten und dann gefärbt. Auch Antikörper können helfen, bestimmte Strukturen sichtbar zu machen. Unter einem Mikroskop lassen sich dann die Strukturen beurteilen, gibt es Abweichungen, Tumorbildungen oder Entzündungen?