Artgerechte Haltung

Natürliche Bedürfnisse befriedigen

Ich bin hier schon einmal kurz auf das Thema artgerechte Haltung eingegangen. Artgerechte Haltung bedeutet, dass ich auf die natürlichen Bedürfnisse meiner Tiere so gut wie nur irgendwie möglich eingehe und diese ermögliche.

Bei Wellensittichen wäre das zum Beispiel das Bedürfnis mindestens einen Partner zu haben, zu Fliegen und nach Futter zu suchen. In ihrer wilden Heimat Australien schließen sich tausende Wellensittiche zu einem großen Schwarm zusammen, das gibt ihnen Sicherheit. Sie fliegen gemeinsam manchmal um die 100 Kilometer auf der Suche nach Futter und Wasserstellen und verbringen damit fast ihren ganzen Tag. Somit sollten verantwortungsvolle Halter mindestens zwei Wellensittiche halten, ihnen mehrere Stunden Freiflug bieten und auch das Futter darf gerne mal versteckt oder muss erarbeitet werden.


Um noch mal ganz deutlich auch bildlich zu zeigen, was artgerecht und was nicht artgerecht ist, möchte ich euch unsere Adoptivfeder Hixx vorstellen. Hixx haben wir auf der Suche nach Zwerg Nummer 6 in einem Vermittlungsforum im März 2015 gefunden. Sein vorheriger Besitzer hat Hixx vorbeigebracht, ließ ihn aber erst mal im Auto, um sich bei uns umzuschauen. Völlig in Ordnung! Unser Vogelzimmer fand er „Sieht ja ganz okay hier aus.“

Er holte Hixx aus dem Auto und ich hätte schreien können vor Wut… 

So wurde Hixx uns von seinem vorherigen Halter gebracht. Anhand von Fotos des Besitzers wissen wir, dass dies kein Transportkäfig ist, sondern Hixx Zuhause der letzten 5 Jahre.

Hixx

Eine dünne Stange, eine Schaukel, kein Bodeneinstreu, keine Bademöglichkeit, eine (Knast-)Käfiggröße von B60x H57xT32cm (ein Käfig mit den vorgeschriebenen Mindestmaßen sollte B100cm und T50cm haben!), Futter mit Zusätzen aus Honig, Milchprodukten und Bäckereierzeugnissen, kein Partner, kein Freiflug.
Möchtet ihr so leben?! Nein? Eure Wellensittiche auch nicht! 
Es schockt mich bis heute und ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum man sein Haustier so hält. Ich bin froh darüber, dass Hixx Halter sich dazu entschlossen hat, ihn in gute Hände zu vermitteln.

Diese Haltung hatte Folgen für Hixx

Hixx, ein kleines Häufchen Elend. Er saß wie angeklebt auf seiner viel zu dünnen Holzstange und bewegte sich kein Stück. Er musste noch in Quarantäne bleiben, bis wir beim vogelkundigen Tierarzt waren. Ich wollte ihn aber nicht noch zusätzlich mit einem neuen Käfig stressen. Also blieb er in dem kleinen Käfig, aber ich wollte etwas ändern. Aber wie? Er war panisch. Unser Wohnzimmer, dort stand Hixx, war noch recht kahl, wir wohnten noch keine 3 Monate in der Wohnung. Schnell war es Vogelsicher und ich machte ihm das Türchen auf. Es dauert bis Hixx rausflog, aber meine Chance, den Käfig zu reinigen und umzugestalten. Zumindest ein bisschen, auch wenn es mir weiterhin das Herz brach.

Hixx neu

Besser, aber nicht optimal war sein Knast nach dem Umbau. Das größte Problem war zum einen sein Gesundheitszustand, er war viel zu dünn, hatte ein struppiges Gefieder und er war Mangelernährt im Hinblick auf seine Vitamin- und Nährstoffversorgung. Zum Anderen war seine Flügelmuskulatur abgebaut und – wie nenne ich es bloß – sein Geschmackssinn war völlig fehlgeprägt. Er fraß nur sein Futter aus der Drogerie, welches mit Honig (Zucker pur), Milchprodukten (ein Vogel kann gar keinen Milchzucker verstoffwechseln) und Bäckereierzeugnissen (Brot- und Brötchenkrümeln, die auch noch Salz enthalten und teilweise bunt eingefärbt sind) versetzt war. Gesundes Futter mit diversen Saaten und Körnern ohne jegliche Zusätze waren ihm grundsätzlich fremd und auch die Edelstahlnäpfe fand er gruselig und fraß somit lieber gar nichts. Ein Futter-Kampf, den wir bis zu seinen Umzug ins Vogelzimmer führten.

Hixx damals und heute

Hixx zog zu den Anderen ins Vogelzimmer und plötzlich war das gute Futter lecker, Edelstahlnäpfe nicht mehr gruselig und auch die viele Bewegung tat ihm sehr gut. Er hatte wieder Kontakt zu Artgenossen und verliebte sich sogar.

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Hixx bei seinem Einzug im Februar 2015………………………………..Hixx heute.

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Ihr seht, artgerechte Haltung ist nicht nur entscheidend, um natürliche Bedürfnisse ausleben zu können, sondern auch wichtig für die Gesundheit eurer Vögel.